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Urban Farming – Zukunftsmodell?

Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt und möchten mit frischen qualitativ hochwertigen Lebensmitteln versorgt werden. In der Stadt selbst wird nur ein Bruchteil dieser Lebensmittel produziert – das Land produziert, die Stadt konsumiert. So war es zumindest in der Vergangenheit, dabei ist gerade bei Städtern der Wunsch nach durchschaubaren Lieferketten und regionalen Produkten groß. Also warum nicht zumindest einen Teil der benötigten Lebensmittel in der Stadt  produzieren?

Dieser Gedanke ist nicht neu, die Schrebergartensiedlungen beweisen es. Sie waren anfangs dazu gedacht, der ärmeren Stadtbevölkerung die Möglichkeit zu geben eigenes Gemüse anzubauen. Heutzutage sieht man eher wenig Gemüse in deutschen Schrebergärten. Zierpflanzen, Pools und Rasen sind schon eher anzutreffen – Ausnahmen gibt es natürlich auch hier.

Urban Farming muss also neu gedacht werden. Dabei mangelt es nicht an der Bereitschaft der Menschen etwas selbst in die Hand zu nehmen, es sind vielmehr schwierige Rahmenbedingungen. Mangelndes Wissen über Pflanzenentwicklung und fehlende Strukturen machen so manchen Traum von der (Teil-) Selbstversorgung zunichte.

Es mangelt auch nicht an Platz. In fast jeder Stadt gibt es nutzbare Flächen für Gemüseanbau, es stellt sich nur immer die Frage wie man diese am sinnvollsten gestaltet. Wir fragen uns, warum die Felder in und in unmittelbarer Nähe zur Stadt nicht für Gemüseanbau genutzt werden, sondern auch dort vorwiegend die üblichen Verdächtigen wie Mais, Weizen, Raps und Zuckerrüben angebaut werden. Die werden nämlich ohnehin von der Stadt wegtransportiert, – während Tomaten aus Spanien anreisen. Da kann man nur den Kopf schütteln.

Wenn wir nicht alle irgendwann völlig entfremdet von der Nahrungsmittelproduktion sein wollen, muss sich grundlegend etwas ändern. Der Platz, der da ist, sollte sinnvoll genutzt werden. Nicht für Zwiebeln, Kartoffeln oder Getreide, das alles kann gelagert und weiterhin auf dem Land produziert werden. Aber jegliches Salatgemüse, Radieschen, Kräuter, Tomaten – eben alles was schnell wächst und ebenso schnell verdirbt, sollte in der Stadt angebaut werden.

Damit können die städtischen Böden durch Humusanreicherung langfristig zur CO2 Senke werden. Gleichzeitig werden Kühltransporte und damit auch CO2 eingespart, während wir in den Genuss von erntefrischem Gemüse kommen. Ganz zu schweigen von weiteren positiven Nebeneffekten, wie der Schaffung von Arbeitsplätzen und Wissenstransfer. Nebenbei würde der Blick in ein Gemüsefeld neugierig machen und die ein oder andere Passion wecken.

Damit diese Vision Wirklichkeit wird braucht es Mut zur Veränderung. Mutige Landwirte, Politiker und Stadtbewohner, die bei sich selbst anfangen den Wandel hin zu einer nachhaltigen Welt einzuleiten. Lippenbekenntnisse und CO²-Ausgleichszahlungen bringen uns nicht weiter. Wir müssen Verantwortung für uns und unsere Ernährung übernehmen. Das fängt vor der eigenen Haustür oder soagr schon auf der Fensterbank an…